Gret Palucca

"Meine Tänze haben keinen anderen Inhalt und Sinn als eben den Tanz, die natürliche Bewegung, gestaltet im Gleichklang mit der Musik."

Gret Palucca (1902-1993), die Gründerin der Tanzhochschule Dresden wurde am 8. Januar 1902 in München geboren und verstarb 91jährig am 22. März 1993 in Dresden. Palucca verbrachte ihre Kindheit in München, Kalifornien und Dresden. Ab 1914 erhielt sie Ballettunterricht. Von 1920-1923 war sie Schülerin bei Mary Wigman und Mitglied ihrer Kammertanz-Gruppe.



Von 1924-1950 gab sie Solotanzstunden. Ihre leichte und optimistische Tanzart, ihre viel gelobte Musikalität und Virtuosität, sowie ihre öffentlichen Tanzimprovisationen machten sie international berühmt. Grossen Einfluss auf Palucca hatte die bildende Kunst, vor allem die Bauhauskünstler Walter Gropius, Paul Klee und Wassily Kandinsky, die sie persönlich kannte. 1925 gründete Palucca in Dresden eine Schule für modernen Tanz, die 1939 von den Nazis geschlossen wurde, 1945 begann Palucca wieder zu unterrichten. 1949 wurde ihre Schule verstaatlicht. Bis zu ihrem Tod bildete sie Generationen von Tänzern, Tanzpädagogen und Choreographen aus.


Gret Palucca verbrachte vom Jahre 1948 an viele Sommer auf Hiddensee und wurde dort auf dem Inselfriedhof 1993 mit 91 Jahren zur letzten Ruhe gebettet. Seit 1996 ehren Dresdner Studenten die grosse Ausdruckstänzerin mit einer Tanzwoche auf Hiddensee, dabei improvisieren die Eleven am Strand, am Leuchtturm und auf dem Deich. Hier, auf Hiddensee würden die Wurzeln des Ausdruckstanzes liegen, meint Professor Ralf Stabel, der eine Biographie über die Tänzerin schrieb.

Ihre Sommerkurse festigten ihren Ruf als eine der bedeutendsten Tanzpädagoginnen des 20. Jahrhunderts. 1962 wurde ihr der Professorentitel verliehen.

Palucca war 1950 Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste. Sie erhielt mehrmals den Nationalpreis der DDR, 1983 den Deutschen Tanzpreis des Deutschen Berufsverbandes für Tanzpädagogik e.V. und 1992 das Grosse Bundesverdienstkreuz. 1979 wurde Palucca Ehrenbürgerin der Stadt Dresden, in der heute eine Strasse nach ihr benannt ist.

"Beim Improvisieren überlasse ich mich meiner inneren Stimme, habe gar nicht den Ehrgeiz, etwas Abgeschlossenes, Wiederholbares zu schaffen. Im Gegenteil, ich will meiner tänzerischen Phantasie einmal freien Lauf lassen, alle Möglichkeiten des Tanzes erleben, ausleben, austanzen."


"Ich beginne. Ich stehe im Saal und höre eine Musik, mehrere Musiken. Ich habe nicht die Absicht, dieses oder jenes zu tun. Ich bewege mich wie von selbst. Dann gibt es einen Punkt, wo der Körper auf einen Rhythmus, ein Stück Melodie reagiert, im Gleichklang oder im Gegensinn. Eine Musik erweist sich als verwendbar, nicht im Sinne der Ausdeutung, sondern in dem der musikalischen Begleitung eines Eigenen. Es ist durchaus nicht immer eine vorher gehörte Musik, mit der ich mich bereits auseinandergesetzt habe. Der Tanz bleibt dabei primär. Seine innere Form verbindet sich mit der inneren Form der Musik, und die Arbeit am Tanz ist die Durchführung des thematischen Materials im Einklang mit der Musik. So entsteht eine Zwei-Einheit,
das, was für mich der neue Tanz ist."

In: Frankfurter Neue Presse, Frankfurt/Main, 14. 8. 1948



 

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Unser Literaturtip: Palucca. Aus ihrem Leben - Über ihre Kunst von Peter Jarchow, Direktor der Palucca Schule Dresden und Ralf Stabel,Tanzwissenschaftler an der Palucca Schule.



Gret Palucca:
"Ich will nicht hübsch und niedlich tanzen"
"Ich will gewiss keine Nachahmer erziehen."
"Denn in der Kunst ist es glücklicherweise so, dass die Älteren von den Jüngeren ebenso lernen können, wie die Jüngeren von den Älteren."
"Hier, auf Hiddensee, liegen die Wurzeln des Ausdruckstanzes."

HIDDENSEE. AM STRAND DIE TÄNZER DER PALUCCA-SCHULE

"Die bewegten Körper im Morgenlicht am Rand des Wassers, das kupfern an der Insel bricht, die ersten Sonnenflecken auf der Elegie des Dünengrases und die Schwimmer, die das Meer am Abend freigeben wird."

Björn Kuhligk, Sommer 1999