Renate Seydel

Unser Interview mit Renate Seydel, Autorin u.a. von „Hiddensee - ein Lesebuch“ und Inhaberin der Buchhandlung „Die Koralle“ auf Hiddensee:

Frau Seydel, wann und wie entstand die Idee, „Hiddensee - ein Lesebuch“ zu schreiben?

1991 ist das Hiddensee-Lesebuch im Ullstein Verlag erschienen. Jahrelang hatte ich mich mit der Literatur über Hiddensee beschäftigt, denn immerhin bin ich seit 1953 auf der Insel, wenn auch zunächst nur als Sommergast. Es hatte mich schon immer interessiert, welche grossen Dichter, Maler, Schauspieler diese Insel besucht haben und so begann meine Sammelarbeit, Arbeit in Archiven und ich selbst habe ein sehr schönes Nachwort über meine Hiddensee-Zeit geschrieben.


Was fasziniert Sie an Hiddensee am meisten?

Am faszinierendsten auf Hiddensee ist die Ruhe, die Einmaligkeit der Natur, der unendlich hohe Himmel, die Vogelwelt und das Farbenspiel des Meeres.

Wie lautet Ihr liebstes Hiddensee-Gedicht?

Mein liebstes Hiddensee-Gedicht ist, das was Rudi Strahl mir gewidmet hat, es heisst „Immerhin drei Tage“ und ist in dem Gedichtband „Hiddensee Inselgedichte“ enthalten, der 1998 im Ullstein Verlag erschienen ist, und ebenfalls von mir herausgegeben wurde.

Beschreiben Sie uns „Ihr Hiddensee“ - der schönste Platz, die schönste Jahreszeit, Ihr Lieblingslokal, Ihr inseltypisches Lieblingsgericht und Ihr schönstes Hiddensee-Erlebnis

Meine liebste Jahreszeit auf Hiddensee ist der Juni. Alles blüht und die ganze Insel duftet. Es blüht alles gleichzeitig, der Ginster im Hochland, die Heckenrosen, Holunder, der Flieder, die Kastanien und dann ist mein liebster Weg an der Steilküste entlang über die Hügel zum Inselblick auf das blühende Ginsterfeld hinabzublicken. Ein Lieblingslokal habe ich nicht, Fisch schmeckt überall gut und ich werde überall freundlich bedient. Flunder und Aal gebraten, frischer gedünsteter Dorsch, saurer Hering, das esse ich sehr gerne. Im Juni gibt es die schönen langen Abende.

In 47 Inseljahren hat man viele schöne Erlebnisse. Schön waren die Jahre, als mein Sohn noch klein war, im Sommer am Strand zu sein.

Sonnenuntergang auf Hiddensee, laue Luft, das ewige Rauschen des Meeres - welche Musik würden Sie in so einem Augenblick am liebsten hören?

Musik habe ich immer gerne, wenn beim Dorftanz die einfachen Lieder gespielt werden und beim Fischerfest in Neuendorf Musik von Pudies und Karat sowie maritime Musik gespielt wird.

Gehen Sie auf Hiddensee auch mal ins Inselkino? Welchen Film würden Sie gerne dort anschauen?

Natürlich gehe ich ins Zeltkino. Alle Filme in denen gute Schauspieler mitwirken sehe ich gerne, Robert Redford, Meryl Streep, Armin Müller-Stahl sehe ich in allen Rollen.

Wie lauten Ihre Literaturtips für den Hiddensee-Urlauber?

Literaturtips für den Urlauber? Da würde ich zunächst einmal die von mir herausgegebenen Bücher empfehlen, das schon genannte Hiddensee-Lesebuch, Hiddensee aus der Luft, die Inselgedichte und mein jetzt vor vier Wochen erschienenes Buch „Hiddensee Geschichten von Land und Leuten“. Es hat 640 Seiten, Berichte von 60 Autoren und 220 Bilder. Es umfasst die Zeit von 1730 bis nach der Wende und der Leser wird eine Fülle schöner Geschichten darin finden, die zum Teil von Einheimischen geschrieben wurden, die Geschichten vieler Hotels erzählen, aber auch natürlich wieder die grossen Namen enthalten wie Albert Einstein auf Hiddensee. Es gibt Bildbände über Hiddensee, die ich empfehle und Bücher über Flora und Fauna.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich habe gerade gestern das so eben erschienene Buch von Donna Leon „In Sachen Signora Brunetti“ beendet, dann werde ich Bücher von Coelho lesen und danach die Biographie über Beethoven und von Daniel Barenboim „Musik - mein Leben.“



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Renate Seydels Buchhandlung "Die Koralle" auf Hiddensee

Unser Literaturtip - 2000 erschienen bei Ullstein: „Hiddensee - ein Lesebuch“ von Renate Seydel



Leseprobe aus "Hiddensee - ein Lesebuch" (Renate Seydel: Gast auf dieser Insel - statt eines Nachwortes)

"Strandsommer -
Die Sommer verbrachten wir am Vitter Südstrand, vorne lagen angezogen die FDGB-Urlauber, später waren auch diese nackt, und wir lagen hinter dem grauen Haus am zweiten Dünenaufgang unterhalb des Ernst-Busch-Hauses. Hier lagen die Sommerhausbesitzer, man kannte die Inhaber der benachbarten Sandburg. Danach kam die Urlauber vom Simson-Suhl, dem Suhler Jagdwaffen- und Fahrrad-Werk, das dort seine schönen Ferienheime in der Heide hatte. Regelmässigkeiten werden zu Gewohnheiten. Wenn die uniformierten „Seemollis“ pünktlich ihre Patrouille zum Turm liefen und an uns vorbei waren, packten wir auf einer angespülten Kiste unseren Schmelzkäse, Tomaten und Äpfel aus und assen „zu Mittag“. Wir blieben lange. Mein Sohn tauchte, schnorchelte, vergnügte sich mit einem Schlauchboot, war Kapitän, Weltumsegler, Pirat und Tiefseetaucher. Immer spielte er auf meinem Bauch das gleiche Spiel: „Ich habe was für dich gefunden. Ist die schön?“ Beim ersten Mal musste ich überrascht aufgucken, es war nur eine Miesmuschel; dann wieder: „Ist die schön?“ Ich musste immer noch überrascht sein, eine Herzmuschel. Dann zum dritten Mal: „Ist die schön?“ Dann kam das eigentliche. Ich durfte nur noch blinzeln, kaum den Kopf heben, um dann um so überraschter zu staunen: ein Stück Bernstein lag auf meinem Bauch und glitzerte in der Sonne, ein Donnerkeil, gut erhalten, eine lange Schwanenfeder oder irgendein anderer seltener Fund, aber immer erst beim dritten Mal wurde er präsentiert. Er war kostbar."